Welche Zukunft ist dem Buchhandel beschieden? Es gilt, um die Bedeutung dieses Handwerks, die Bedeutung des Buches, die ihm in unserer heutigen Welt beigemessen wird, zu ergründen.
Im Angesicht des Kapitalismus und der wachsenden Globalisierung verliert das Buch, so scheint es, zunehmend an Bedeutung. Die Gewichtung unserer Gesellschaft verlagert sich mehr und mehr zur Mobilität hin, zum Konsum, bedingt durch die übermäßige Fülle des Angebots. Was zählt, sind schnelle Informationen, ein breites Angebot, die bereits genannte Fülle dessen und ein stetiger Wechsel, der jedoch weniger stetig ist, als variierend, schnell, fast hektisch und, wie es ein Werbefachmann einer Weltfirma ausdrücken würde, pulsierend. Impulsiv. In dieser Informationswirtschaft sind Medien besonders gefragt, nicht umsonst erlebt das Internet Hochkonjunktur. So gilt es zu vergleichen, zwischen dem Buch und den restlichen Medien. Das Fernsehen verändert sich, das Programm ist variabel, fast flexibel, da es sich auch auf die Bedürfnisse des Zuschauers einstellt. Allerdings erlebt es dadurch auch eine Gleichstellung, da sich die Sender inhaltlich näher kommen. Doch zum Einen ist das dem Proletariat relativ egal, zum Zweiten kann der Zuschauer konsumieren und hat doch das Gefühl, durch ein Fenster zur Welt zu schauen. Dass das Internet prosperiert, wurde bereits angesprochen, wird auch zunehmend Schauplatz politischer Kämpfe, wenngleich eher untergründiger, zudem ist es womöglich eine Feste der Meinungsfreiheit, da es vollkommen unkontrollierbar ist. Dadurch erweitern sich fortwährend die Inhalte , die dem Konsumenten, als auch jenem, der keiner sein möchte, ein Medium bieten.
Das Buch jedoch ist nicht derart aktuell, derart flexibel. Es bedarf der Zeit, es zu schreiben, der Zeit, es zu drucken und zu verkaufen. Des weiteren ist ein gedrucktes Buch nicht mehr zu ändern, es ist starr. Hinzu kommt, dass ein Buch nicht zu konsumieren ist. Ein Buch zu lesen ist jederzeit eigene, geistige Produktion. Man wird gefordert, aber man lernt auch mehr, man entwickelt sich. Das Buch ist der Generator des Intellekts, der Motor des Intellektuellen. Auch in einer elitären Gesellschaft existiert eben jene intellektuelle Elite, welche dem Buchhandel ein Auskommen beschert.
Der Buchhändler ist also nicht, ich betone es erneut, nicht, wie der Große Rest der Händler, Verkäufer, Prostituierte des willenlosen Proletariats; Gerade, weil ein Konflikt zwischen Leser und Buch besteht, weil es die Wechselwirkung ist, die dem Buch seinen Wert verleiht, ist der Buchhändler eine der höchsten Instanzen der geistigen Bildung. Selbstverständlich gilt es, zu differenzieren. Ein Buchhändler, der opportun im Massenwind dreht, wird wohl der erfolgreichste sein, der reichste. Doch dem Buchhändler obliegt Verantwortung über die abstrakte Bildung. Vorbei sind die Zeiten der alten Griechen, des Sokrates, der auf die Schrift verzichtete, der das Gespräch suchte. Die Gesellschaft ist vereinsamt. Was kooperiert und interagiert, sind Wesen in der Isolation. Jeder für sich, isoliert von der Welt, verschwindet jegliche Bedeutung der Kommunikation und Interaktion. So ist es kaum noch möglich sich auf zwischenmenschlicher Basis zu bilden. Zu dieser Abstraktion ist das Buch von Nöten, nichts erreicht einen Grad der Abstraktion eines Buches. Das ist der Grund des Anspruchs eines Buches.
Der einzige wirkliche Aufgabenbereich eines guten, eines, so weit von uns möglich, objektiv betrachteten guten, ist der Erhalt des freien Geistes. Diese Verantwortung, Aufgabe, relativiert und egalisiert sämtliche gesellschaftliche Normen, auch den benötigten Abschluss. Zum Teil ist es gerade so, dass jene freien, aufnahmefähigen, freien Geister unterdrückt werden, und deswegen keinen derart hohen Abschluss erhalten. Jeder Freigeist, jeder mit einem Funken Widerstandkraft und –wille ist fähig, Buchhändler zu werden. Er muss nur selbst diese Welt des Buches, der Geistesentwicklung entdeckt haben und fördern. Er sollte sich bewusst sein, dass der Verdienst, gerade bei Erfüllung der Verantwortung, nicht seine materiellen Träume erfüllen wird. Hingegen seine geistigen, höheren umso mehr, Buchhandel ist mehr als vieles andere, eine Chance sich von den Zwängen des Materialismus zu lösen.
So ist es kaum verwunderlich, dass der Aufstieg nicht beruflich, sondern gedanklich erfolgt. So will ich denn mein Plädoyer beschließen, indem ich warne. Ich warne, meine allerliebste Welt, vor dem Verkümmern des Geistes, davor, dass Der Buchhandel tatsächlich die letzte Festung der Freiheit wird. Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit wird mehr und mehr zum Standard; die kapitalistische Welt glaubt den Pseudokommunismus der Sowjetunion und des Ostblocks besiegt zu haben, nicht merkend, dass ein weitaus größerer Schrecken die Erde überzieht und -ziehen soll. Die Illusion, man habe Kommunismus geschaffen, war vielleicht die schlimmste aller Ursachen der kapitalistischen Globalisierung.
Besinne! Bewahre deine Ideale! Bewahre die Freiheit! Bewahre die Vernunft! Bewahre die Leidenschaft! Halte fest! Halte fest an dir selbst!! Erkenne dich selbst! Befreie dich!